Archiv für den Tag: 12. September 2013

„Diesseits von Eden“

Autorenlesung mit Wladimir Kaminer

Wladimir Kaminer sucht das Grüne: Schrebergarten war gestern nun lockt das Leben auf dem Land.

Ihren Schrebergarten mussten Wladimir Kaminer und seine Familie wegen „spontaner Vegetation“ aufgeben. Nun versuchen sie erneut, das Paradies in kleinem Maßstab nachzubauen: in Glücklitz, einem kleinen Dorf vor den Toren Berlins.

Keine Straßenkarte kennt diesen Ort mit dem kleinen Haus direkt am See und dem angeblich nördlichsten Weinberg der Welt. Dabei hat Glücklitz viel zu bieten nicht zuletzt seine unverwechselbaren Einwohner, darunter Wladimirs Nachbar Herr Köpke, Matthias, der Schlüsselwart vom Haus des Gastes, Landbaron Heiner sowie der mollige Wirt der Dorfkneipe.

Wladimir Kaminer wurde 1967 in Moskau geboren. Er absolvierte eine Ausbildung zum Toningenieur für Theater und Rundfunk und studierte anschließend Dramaturgie am Moskauer Theaterinstitut. Seit 1990 lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin.

Er veröffentlicht regelmäßig Texte in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften und organisiert Veranstaltungen wie seine mittlerweile international berühmte „Russendisko“.

Mit der gleichnamigen Erzählsammlung sowie zahlreichen weiteren Büchern avancierte er zu einem der beliebtesten und gefragtesten Autoren Deutschlands.

Dienstag, 1. Oktober 2013 um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei, Nové-MÄsto-Platz 3
Eintritt: € 12,00 (€ 8,00 mit Itter-Pass)

August Bebel spricht

Entlarvende Worte

hildenNET hat es ans Licht gebracht: In meiner Wohnung, in meinem Schlafzimmer, hängt nicht etwa das neueste Playgirl oder ein staatsanwaltschaftlicher Durchsuchungsbefehl, sondern ein Bild des vor 100 Jahren gestorbenen SPD-Vorsitzenden, August Bebel.

Hildener, schließt die Türen und verrammelt eure Fenster!

Mein „Entlarver“, der in seinem ungelebten Leben keine Zeile Bebels gelesen haben dürfte und darüber hinaus auch mit einem kurzen Gedächtnis ausgestattet ist, hat mangels intellektuellen Formats versäumt, den Bebel ins rechte – pardon! – ins linke Licht zu rücken.

Ich nehme ihm auch diese Arbeit gerne ab und beginne mit folgendem Zitat, das ganz gut auf meinen anonymen Freund passt, der sich an mir abarbeitet, wie sonst nur enttäuschte Liebhaber es tun:

„Lobt dich der Gegner, dann ist das bedenklich; schimpft er, dann bist du in der Regel auf dem richtigen Weg.“

Der mir bekannte Verfasser des Artikel „Comeback des Jahres“ gehört zur Spezies patentierter C-Politiker, denen offenbar jedes Mittel recht ist, wenn es dem (Geschäfts-)Zweck dient. Wird man beim Falschspiel erwischt, dann geht’s zum Pfarrer in die Beichte und mit viel Pippi in den Augen, voller Rührung ob der eigenen Gutheit, kommen solchen Typen dann geläutert aus dem Beichtstuhl.

Und das sagt der August Bebel dazu:

„Die Religion der Liebe, die christliche, ist seit mehr als achtzehn Jahrhunderten gegen alle Andersdenkenden eine Religion des Hasses, der Verfolgung, der Unterdrückung gewesen. Keine Religion der Welt hat der Menschheit mehr Blut und Tränen gekostet als die christliche, keine hat mehr zu Verbrechen der scheußlichsten Art Veranlassung gegeben; und wenn es sich um Krieg und Massenmord handelt, sind die Priester aller christlichen Konfessionen noch heute bereit, ihren Segen zu geben, und hebt die Priesterschaft der einen Nation gegen die feindlich ihr gegenüberstehende Nation flehend die Hände um Vernichtung des Gegners zu einem und demselben Gott, dem Gott der Liebe, empor.“

Die Lüge, ich sei Mitglied der PDS oder der Linken gewesen, wird auch dann nicht zur Wahrheit, wenn sie ein praktizierender „Christ“ ausspricht. Wäre dieser Feigling nur halb so mutig wie sein Schuldenkonto hoch ist, würde er sich outen und dann würde seine Behauptung „rechtlich durch die Gerichte geklärt“ (wie man in seinen Kreisen so sagt).

Ob auch für mich gilt, was der August Bebel 1903 auf dem Parteitag der SPD ausgerufen hat, darüber darf mein anonymer Verleumder – diese Mischung aus infantilem Messdiener-Gemüt und Quartalszocker – jetzt fantasieren:

„Ich will der Todfeind dieser bürgerlichen Gesellschaft und Staatsordnung bleiben, um sie in ihren Existenzbedingungen zu untergraben, und sie, wenn ich kann, beseitigen.“